Datenschutz oder Paranoia - Google Streetview und die WLAN Daten
Autor: Mathias Döhle
politischer Geschäftsführer aus Findorff
Als pol.GF sehe ich meine Aufgabe darin, die Positionen der Piraten herauszuarbeiten und das Profil zu schärfen. Mit meinen Beiträgen versuche ich die Sensibilität für kritische Themen zu verbessern und über den Tellerrand der Piraten hinaus zu schauen. Ich möchte Schwerpunkte setzen und die Entwicklung der Partei so voran treiben.
Datenschützer werden von anderen Leuten oft als paranoid eingeschätzt. Häufig liegt es daran, dass diese sich kaum eine Vorstellung davon machen können, was mit modernen Methoden der Datenanalyse alles möglich ist. Wenn man sich mit Sachkenntnis und Menschenverstand datenschutzrechtlichen Problemen nähert, erkennt man häufig Problematiken, sie ein unbedarfter Betrachter nicht sieht. Manchmal gewinnt die Paranoia aber auch Oberhand...
Die an sich schon sehr umstrittenen Kamerafahrzeuge, die für Google derzeit Weltweit Straßenpanoramen aufzeichnen, sammeln nebenbei auch noch Daten über empfangene Funknetzwerke(WLAN und GSM). Diese Daten können später dafür benutzt werden, um aus deren Empfangsstärke die Position eines mobilen Gerätes zu errechnen. Dies erlaubt bei hinreichender Dichte der Funknetzwerke eine Navigation ohne GPS(Global Positioning System) Empfang.
Hierfür wurde offenbar Software eingesetzt, die die Rohdaten des Empfängers aufgezeichnet hat um sie später analysieren zu können. Für den Navigationsdienst werden nur der Name des Funknetzwerks und dessen sogenannte MAC Adresse benötigt. Viele empfinden dies schon als unerlaubte Datensammlung. Eine Verletzung des Datenschutzes ist es aber wohl eher nicht. Es ist eher damit zu vergleichen, dass sich jemand für einen Straßenabschnitt die Hausnummern notiert. Damit hätte wohl kaum jemand Probleme.
Die Verwendete Software hat aber eben nicht nur Namen und MAC-Adressen gespeichert, sondern alle im vorbeifahren gesammelten Datenpakete. Wenn es sich um ein unverschlüsseltes Funknetzwerk handelte, dann ist in diesen Datenpaketen, die zu diesem Zeitpunkt stattgefundene Kommunikation unverschlüsselt enthalten. Auf Nachfrage, ob hierin auch E-Mails oder andere persönlichen Daten enthalten sein könnten, hat Google wahrheitsgemäß ausgesagt, dass dies nicht auszuschließen sei. Allein die Offenheit im Umgang mit dem vermeidlichen Problem ist Google hoch anzurechnen. Seitdem wird die Situation aber häufig so dargestellt, als ob Google vorsätzlich fremde Netze ausgespäht hätte. Man muss sich aber fragen, was sie damit gewonnen hätten. Es geht hier nur um die wenigen unverschlüsselten Funknetzwerke auf den genau in dem Moment, als das Google Fahrzeug vorbei fuhr eine unverschlüsselte E-Mail übertragen wurde. Was um alles in der Welt könnte man Profitbringendes mit diesen Daten anstellen. Abgesehen von dieser absurden Unterstellung, ist Google noch nie mit schlampigen Umgang mit Benutzerdaten aufgefallen. Auch wenn man Google angesichts ihrer Monopolstellung und ihrer Größe nicht über den weg traut - sie haben bis jetzt keine Fehler gemacht.
Eine Analyse der gesammelten Funknetzwerkdaten durch britische Datenschützer hat nun auch keine persönlichen Daten hervorbringen können[1]. Natürlich wurde auch festgestellt, dass die Sammlung der Daten nicht korrekt war. Google wird sich für diesen Fehler, der ihnen nichts als Ärger eingebracht hat und der durchaus vermeidbar gewesen wäre, vermutlich selber verfluchen. Sie haben in der Tat zu viel Daten gesammelt. Sie sich aber vorbildlich damit umgegangen und haben sich ebenso vorbildlich dem Problem gestellt.
Nebenbei soll nicht unerwähnt bleiben, dass es eine Vielzahl weiterer Dienste gibt, die diese Daten sammeln. Sogar iPhone und Apples stationäre Desktop Rechner beteiligen sich an der Funknetzwerk-Kartografie[2] - und das schon seit 2007. Wohlgemerkt mit der Zustimmung ihrer Besitzer, die die Nutzungsbedingungen ihrer Geräte zwar nicht durchlesen, ihnen aber zustimmen.
Auch Nokia benutzt einen ähnlichen Dienst. Hier verschafft das Amerikanische Unternehmen Skyhook die nötigen Daten[3]. Dazu fahren ebenfalls, mit entsprechenden Empfängern ausgestattete, Messfahrzeuge die Straßen aller deutschen Großstädte ab[4].
Auch wenn man dies alles nicht gut heißen mag, sollte man sich nicht von seiner Paranoia übermannen lassen. Man sollte stets auch die konkrete Bedrohung von Bürgerrechten und Freiheit im Auge behalten. In diesem Sinne gibt es zur Zeit wirklich ernsthaftere Gefahren.
Die zahllosen Datensammlungen der EU[5] oder die nationale Datenbank ELENA sind ein viel bedrohlicheres Szenario. Solange diese Datensammlungen nicht bereinigt sind und ihre Datenströme geregelt, ist der Protest gegen Google nicht als Jammern auf hohem Niveau.
[2]http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,707417,00.html
[3]http://www.areamobile.de/news/3749-skyhook-wireless-w-lan-als-navigationsloesung
[4]http://www.das-internet-lokal.de/lokale-suche/artikel-31.shtml
[5]http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/10/st12/st12579.de10.pdf

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