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In unserem politischen Blog veröffentlichen wir persönliche Beiträge von Piraten, die ein aktuelles Thema ansprechen möchten, welches sie bewegt und das sie nicht der Öffentlichkeit vorenthalten möchten.

Alternativlose Systemrelevanz

Aktuelles | Blog | Erstellt am 11. Mai 2010 |

Autor: Erich Sturm


Vorstand aus Neustadt

Erich Sturm ist Religionswissenschaftler und IT-Fachmann. Die Piratenpartei ist für ihn der erste politische Hafen, in dem Transparenz, Basisdemokratie und Innovation einen lebendigen Ausdruck finden.

500 Milliarden Euro zur Rettung der Banken, 22 Milliarden Euro zur Rettung Griechenlands, 650 Milliarden oder auch ein paar mehr zur Rettung des Euro. Unvorstellbare Summen, die ohne politische Beteiligung der deutschen und europäischen Bürger bereitgestellt werden.

Rettung bedeutet in diesem Fall, dass das bestehende monetäre System kollabiert, wenn nicht immer mehr Geld hineingepumpt wird. Das ist in der Tat alternativlos, denn ein auf Zinseszins basierendes System funktioniert nur so.


Es gibt in diesem System aber nicht nur Schulden, sondern auch Gewinn. Das heißt, die Zinsen der Schulden sind der Ertrag des Gläubigers. Die Rettungspakete sichern dem Gläubiger seinen Gewinn, da sie ihn vor dem Verlust seines Einsatzes schützen.
In diesem Spiel gibt es große und kleine Gläubiger, und es gibt kleine und große Schuldner. Und alle akzeptieren die Regeln, da wir sonst kein System mehr hätten sondern Chaos.

Allerdings stößt jedes System irgendwann an seine Grenzen und jedes Spiel geht einmal zu Ende. Wer in seiner Jugend (oder auch aktuell) intensiv Monopoly gespielt hat weiß das. Am Anfang sind Gewinne und Verluste noch relativ nah beieinander, das Fließen des Geldes findet in einem ausgewogenen Maße zwischen den Spielern statt. Aber je länger man spielt um so mehr sammelt sich das Geld bei einem Spieler, während die anderen Hypotheken aufnehmen müssen um weiter mitzuspielen. Das Ende ist absehbar, irgendwann hört man auf und beginnt bei Null.


Bei Null beginnen auch immer wieder Volkswirtschaften, das nennt man dann eine Währungsreform, meistens im Vorfeld verbunden mit einem Krieg, der materielle Werte zerstört hat, die man nun neu aufbauen darf.
Selbstverständlich funktionieren Volkswirtschaften nicht so simpel wie Monopoly, aber die zu Grunde liegenden Spielregeln sind ähnlich " und das Ergebnis auch;)
Am Ende eines Spielzyklus werden die Gewinne immer höher und auch die Schulden.


Die Stadt Bremen hat inzwischen 16 Milliarden Euro Schulden. Ca. 4 Milliarden gibt Bremen aus, davon 650 Millionen allein für den Schuldendienst, also die Zinsen. Kein Mensch glaubt wirklich, dass diese Schulden jemals beglichen werden können. Statt dessen wachsen die Schulden immer weiter.


Was wird nun allgemeinen als Heilmittel empfohlen, in Bremen von Frau Linnert, im Bund von Herrn Koch, europaweit von Frau Merkel? Richtig Sparen!


Allerdings kann man nur sparen, wenn man mehr einnimmt als man ausgibt. Oder man reduziert seine Ausgaben, im Volksmund "schnallt man den Gürtel" enger. Da aber im Zinseszins-System die Schulden irgendwann exponentiell steigen, müssen auch die Einnahmen oder Sparmaßnahmen entsprechend steigen. In einem endlichen System geht das aber nicht.


Vielen werden diese Vergleiche als zu vereinfacht vorkommen. Wirtschaftswissenschafter und Experten werden mit "quantitive Easying", Inflationierung, Deflationierung usw. gegenhalten. So what. Die seit Jahren zu beobachtende Entwicklung spricht für sich.


Was ist zu tun? Wenn man das System als alternativlos betrachtet " Nichts!


Wenn innerhalb des Systems keine Alternativen funktionieren, dann muss man das System in Frage stellen! Es ist an der Zeit den "Glauben" an unbeschränktes Wachstum, den "Glauben" an unsere BWL-Ökonomie, den "Glauben" an Schuldenabbau in Frage zu stellen. Den Glauben an die völlige Ökonomiesierung des Menschen. Jeder Mensch ist mehr als nur Teil des Wirtschaftssystems. Menschlichkeit ist kein materieller Wert und wird es auch nie werden!


So wie die die Französische Revolution den überkommenen Glauben an das System Monarchie aufgelöst hat, so ist es an der Zeit die Glaubenssätze unserer Politiker und Experten in Frage zu stellen. Wer mit seinem Denken sich nur innerhalb des Systems bewegt, der wird keine Lösung finden sondern nur ein Game Over, zurück auf Anfang. Dann wurde aber bereits alles umverteilt.


Für Bremen, aber auch für unsere Gesellschaft insgesamt, ist es eine Aufgabe neue Wege zu suchen, zu diskutieren und irgendwann anzuwenden.
Notwendig ist ein Zukunftskongress, in dem Bürger, Politiker und Wissenschaftler gleichberechtigt on- und offline das System in Frage stellen. Neue Werkzeuge des Menschen wie das Internet dürfen nicht aus egoistischen Machterhaltungstrieben durch Leistungsschutzrechte, Medienstaatsverträgen usw. zu einer weiteren Verdummungsmaschine wie das Fernsehen kastriert werden, wenn wir die immensen Probleme der Zukunft lösen wollen.


Um das zu verhindern, um neuen Denkanstößen Ausdruck zu verleihen, um ein Forum zu bieten für die Mitarbeit aller die das wollen, gibt es die Piratenpartei. Zur Zeit noch " alternativlos;)

 

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